Kerio Valley – Go to Fly but not to die!

 

In den letzten Jahren entwickelte sich das Kerio Valley in Kenia zu einem der meistbesuchten Winterfluggebiete. Lange Flüge fast jeden Tag: so flogen der Österreicher Peter Mungenast am 21. Januar 2014 stolze 255 km der Rift-Kante entlang, Markus Eder 235 km. Das sind acht bis zehn Stunden Höchstleistung. Unterboten wurden sie von Gregory Knudson mit einem – noch zu bestätigendem – Minimalzeit-Weltrekord über 200 km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h, also in etwa 5 ½ std.

Die Meisten fliegen weit davon entfernt, aber sie wollen an der kante auf Strecke gehen und damit leider gehört dieses Fluggebiet aber auch zu den am meisten unterschätzten – was man bei der Ferienplanung unbedingt beherzigen sollte.

Oliver Guenay Text Fotos

Das Fluggebiet Kerio Valley liegt 340 km nordwestlich von Nairobi auf der Riftkante (Great Rift Valley) des Elgeyo Escarpments am Ortsrand des durch sein Marathontraining bekannt gewordenen Dorfes Iten bei Eldoret. Die Region entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem der im Winter meistbesuchten Fluggebiete auf unserem Planeten. Leider gehört es gleichzeitig auch zu einem der am meisten unterschätzten Gebieten. Inzwischen wird es in der Saison – Dezember bis Ende Februar – von Piloten aus aller Welt besucht. Grosse Gruppen aus dem deutschsprachigen Alpenraum, Italiener, Engländer, Amerikaner, Osteuropäer kommen hierher; auch Profis mit dem Ziel, hier 100, 200 oder 300 km weit zu fliegen. Die meisten Piloten steigen im Hotel Kerio View ab, zu dem auch der Startplatz gehört. Der Besitzer, der Belgier Jean Paul Fourier spricht deutsch, englisch und französisch (www.kerioview.com). Für westliche Ansprüche gibt es noch das Too Guesthouse (www.tooguesthouse.com), das Altitude Camp (herrlicher Pool) und das Lelin Camp in Kessup; eine Stufe tiefer im Tal gelegen.

Im Prinzip wird der Kante entlang über dem zweistufigen Keriotal geflogen; entlang der beiden Schenkel nach Süden (etwa 40 km eine Richtung) und Norden (etwa 75 km eine Richtung). Der Wind ist durch die vorgelagerte Talkompression kräftig (Nordost- bis Südostpassat) und fängt sehr früh zu wehen an. Gestartet werden muss daher bereits ab 7 Uhr morgens. Um 9 Uhr ist es oft zu spät – ein Wind von 40 bis 45 km/h ist dann nicht selten. Ab 16 Uhr lässt der Wind wieder nach und bietet vernünftige lokale Flüge an, teilweise sogar in schöner Restitution bis kurz vor Sonnenuntergang. Neben diesem generellen Windproblem haben die meisten Besucher auch Probleme mit der starken Thermodynamik (thermische «Raketen» ballern an der Kante empor in den Wind hinein) und der Höhe (Startplatz liegt auf 2350 m). Zudem ist die Kante nicht mit dem Lineal abgemessen, sondern wird von Einschnitten unterbrochen. An diesen bilden sich erhebliche Turbulenzen! Viel zu viele Newcomer fliegen – wie Profis – zu nah am Relief und auch viel zu tief. Anstatt auf einen günstigen Tag mit sanften Bedingungen zu warten, steigen sie in die Reise ein, auch wenn sie kaum starten können und sind deshalb von vorneherein überfordert. Notlandungen, Rettungsauslösungen und diesen Januar täglich Abstürze und Unfälle mit Verletzungen – am 29. Januar auch ein tödlicher Unfall eines polnischen Piloten – sind die Folge. Dies das traurige Fazit der Unüberlegtheit. So begegnete ich einer rumänischen Fluglehrerin vor ihrem ersten und nach ihrem zweiten Absturz – beide liefen glimpflich ab, bis auf den Schirm, der war Schrott).Am Ende lieh man ihr einen Schirm, der etwas zu groß für sie war, damit jedoch weitere Kapriolen verhinderte. Sie traute sich nicht raus. Wenig später beobachtete ich einen Tandem-Toplandeunfall eines italienischen Piloten bei viel zu viel Wind und ohne die nötige Technik (wenigstens Ohren anlegen); der Pilot pumpte den Schirm in den Stall. Beide, Pilot und Passagier, wurden mit verdrehtem Fuss und gebrochenen Rippen abtransportiert. Während meiner Tandemflüge sahen wir mehrfach Fast-Abstürze über unlandbarem Gelände.

Vorsichtsmassnahmen

Wer plant, hierher zu kommen, sollte neben der flugtechnischen Vorbereitung (Starkwind-Starts, richtige Gefahreneinschätzung, nötige Moral und Technik) auch die Kommunikation (Handy mit kenianischer SIM-Card, Airtel oder Safaricom; 2-Meter-Funk) und die persönliche Absicherung (Mitgliedschaft Flying Doctors www.flydoc.org; sie können am schnellsten gerufen werden, 25 US Doller/Jahr) berücksichtigen. Man muss auch daran denken, dass Kenia ein Drittweltland ist – das einzige Spital mit westlichem Standard: die Aga Khan Klinik in Nairobi. Auf typische Flugunfälle mit Verletzungen an der Wirbelsäule sind kenianische Spitäler nicht vorbereitet.

Immerhin: Wer irgendwo einlandet, hat in der Regel keine Rückholprobleme – sofern der Landeplatz nicht in der untersten Talstufe liegt (Buschland im Nationalpark, eine einzige Piste), verkehren doch fast überall sogenannte Motortaxis (Motorräder). Einfach Helm aufsetzen und den Fahrer auf die angemessene Geschwindigkeit hinweisen. Die einheimische Bevölkerung ist ausnahmslos freundlich und hilfsbereit.

Anreise ab Nairobi:

Nach Iten kommt ihr mit der Fly 540 (www.fly540.com) von Nairobi nach Eldoret und Abholung. Oder mit dem Queenscoach (www.queenscoach.com) von Nairobi nach Kampala über Eldoret (besser,wenn man viel Gepäck hat) und von dort mit dem Minivan (“Matatu”) oder einem Taxi nach Iten.

 

Halbwegs verlässliche Wettervorhersage gibt es hier: www.meteoblue.com/de/kenia/wetter-eldoret. Wie überall auf der Welt, wird auch hier das Flugwetter nicht garantiert, und es ist auch nicht jedes Jahr gleich.

Zu den angegebenen Windwerten müsst ihr jeweils noch mind. 50% Thermikaufschlag kalkulieren! Nehmt euch also die nötige Zeit (mindestens zwei Wochen) für eine Reise nach Kerio; setzt euch keinem Druck aus und informiert euch bei den Profis.
Bereitet euch sehr, sehr gut vor. Dann braucht ihr nur noch Glück und Verstand.

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